Osttimor 1 - Timor Leste

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Quelle der Karte: http://www.un.org/Depts/Cartographic/map/profile/timoreg.pdf

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Osttimor

Osttimor ist ein Inselstaat in Südostasien und besteht aus der Osthälfte der Insel Timor, den Inseln Atauro und Jaco sowie der Exklave Oecussi-Ambeno ebenfalls auf Timor. Osttimor ist die umgangssprachliche Bezeichnung. Während der Landesname in allen anderen Sprachen, auch im Deutschen, offiziell Timor-Leste ist (der portugiesische Name Timor-Leste bedeutet wörtlich „Ost-Osten“ vom indonesischen timur „Osten“ und portugiesischen leste „Osten“), wird das Land in der Amtssprache Tétum Timor Loro Sa'e genannt, was soviel wie Timor der aufgehenden Sonne bedeutet.

Geographie
Die Insel gehört zum östlichen Teil des indonesischen Archipels und zu den Kleinen Sunda-Inseln. Im Nordwesten der bergigen Insel liegt die Sawusee, nördlich die Bandasee und südlich dehnt sich die Timorsee 500 Kilometer bis nach Australien aus. Die höchste Erhebung ist der Tatamailau mit 2.963 Metern.

Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen heiß und schwül und wird von einer ausgeprägten Regen- und Trockenzeit charakterisiert.

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Dili 159.721 Einwohner, Dare 18.748 Einwohner, Lospalos 17.042 Einwohner, Baucau 14.841 Einwohner, Ermera 12.933 Einwohner und Maliana 12.071 Einwohner.

Sprachen
Es gibt auf Osttimor etwa 15 Ethnien, davon 12 größere Stammesverbände. Sie sprechen meist austronesische (malayo-polynesische und melanesische Sprachen) und Papua-Sprachen. Die wichtigsten Sprachen sind die Amtssprachen Tétum und Portugiesisch. Daneben gibt es 15 von der Verfassung anerkannte Nationalsprachen: Atauru (Adabe), Baikeno, Bekais, Bunak, Kawaimina, Fatakulu, Galoli, Habo, Idalaka, Kemak, Lovaia, Makalero, Makasae, Mambai und Tokodede. Bahasa Indonesia hat als Verkehrssprache an Bedeutung verloren, während Englisch durch die ausländischen UN-Soldaten gewonnen hat. Durch die Einwanderung von Chinesen (viele davon Hakka-Händler) gibt es kleine Gruppen, die Hakka, Hochchinesisch und Kantonesisch sprechen.

Religion
Fast alle Einwohner Osttimors sind christlichen Glaubens (95 %). Davon sind über 92 % Katholiken, Protestanten bilden eine christliche Minderheit. Es gibt Minderheiten von Muslimen, Hindus und Buddhisten. Der animistische Glauben ist weitgehend verschwunden. Allerdings tauchen animistische Elemente im katholischen Ritus auf.

Die katholische Kirche war während der portugiesischen Kolonialherrschaft auf die Hauptstadt Dili und wenige größere Orte beschränkt. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer zwischen den zwölf größeren Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche einen derart großen Zuwachs erreicht. Sie verdankt das auch dem Bischof Ximenes Belo, der für sein Eintreten für die Freiheit Osttimors den Friedensnobelpreis erhielt.

Kultur
Die Kultur Osttimors weist, neben europäischen und asiatischen Merkmalen, auch zahlreiche pazifische Einflüsse auf. Die Lebensweise der Einwohner Osttimors hat mit der der Einwohner des indonesischen Westens der Insel wenig gemein. Der Einfluss der katholischen Kirche auf die Lebensweise der Einwohner ist beschränkt und die Gesellschaft sehr liberal.

Ein interessanter Punkt der Kultur Osttimors ist, dass sich Frauen ab der Vollendung des 15. Lebensjahres generell die gesamte Körperbehaarung entfernen (inklusive der Haare an den Unterarmen), mit Ausnahme des Haupthaars und der Augenbrauen.

Auffällig sind auch die traditionellen, steilen Dächer der timoresischen Häuser, die leider aus dem alltäglichen Bild der Orte nahezu verschwunden sind. Allerdings gibt es aufgrund des neuen nationalen Selbstbewußtseins Neubauten, die solche Dächer wieder verwenden. So zum Beispiel der Flughafen und Hafen von Dili oder die Schule von Lospalos.



Geschichte

Siehe Hauptartikel: Geschichte Osttimors

Timor wurde ab 40.000 v. Chr. in drei Wellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt. Im 16. Jahrhundert gründeten die Portugiesen ihre Kolonie Portugiesisch-Timor. Die Japaner besetzten die Kolonie während des Zweiten Weltkrieges, obwohl Portugal ein neutrales Land war. 1975 entließ Portugal Osttimor in die Unabhängigkeit, doch nur wenige Tage danach annektierte Indonesien das neue Land und machte es trotz internationaler Verurteilung zu seine 27. Provinz Timor Timur. In den 24 Jahren der indonesischen Besetzung wurde etwa ein Drittel der 800.000 Einwohner getötet. Nach einer Volksabstimmung, die zu Gunsten einer Unabhängigkeit ausging und weiteren Verbrechen durch pro-indonesische Milizen und die indonesische Armee entsendeten die Vereinten Nationen unter australischer Führung die Friedenstruppe INTERFET. Osttimor kam unter Verwaltung der UNTAET, bis es schließlich am 20. Mai 2002 endgültig unabhängig wurde.


Politik

Das Parlament (Parlamento Nacional) umfasst mehrere Kammern. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Die Anzahl der Sitze kann zwischen 52 und 64 variieren. Während der laufenden (2005) Wahlperiode wurden ausnahmsweise 88 Sitze vergeben, weil es die erste Regierungszeit überhaupt ist. Die Verfassung wurde nach portugiesischem Vorbild entwickelt.

Der Präsident von Osttimor wird alle fünf Jahre gewählt und hat eher symbolische Befugnisse, er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition hat. Als Kopf der Regierung sitzt er dem Kabinett vor.

Als ersten Präsidenten wählten die Osttimoresen mit überwältigender Mehrheit Xanana Gusmão. Der frühere Chef der Befreiungsbewegung Fretilin, die ihrerseits die meisten Sitze im Parlament errang, wird als eine Art Volksheld verehrt. Nachdem die Eigenstaatlichkeit Osttimors als großes Ziel erreicht war, wollte sich Gusmão eigentlich aus der aktiven Politik zurückziehen, stellte sich dann aber doch den vielen Bitten, weiter eine verantwortungsvolle Position einzunehmen. Als Staatsoberhaupt hat er sich vor allem dem Versöhnungsgedanken verschrieben. Nur eine Normalisierung der Beziehungen zur früheren Besatzungsmacht Indonesien und ein gewisser Schlussstrich unter die Vergangenheit, so seine Überzeugung, können das bitterarme und durch die lange Fremdherrschaft rückständige Land in die Zukunft führen. Anfang 2005 empfing er den im Vorjahr neugewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono zu einem Staatsbesuch. Das Treffen der beiden Männer verlief außergewöhnlich herzlich und wurde als Neuanfang in den bilateralen Beziehungen gewertet.

Wirtschaft
Vor und während der Kolonialzeit war Timor für sein Sandelholz bekannt.

Bis Ende 1999 wurden ungefähr 70 Prozent der ökonomischen Infrastruktur durch proindonesische Milizen und Militärs verwüstet und über 260.000 Menschen waren gezwungen, nach Westen zu fliehen. Während der folgenden drei Jahre wurde das Gebiet mit einem massiven internationalen Hilfsprogramm unter Führung der UN wieder aufgebaut. Das Programm umfasste zivile Beobachter, eine 5.000 Mann starke Friedenstruppe und 1.300 Polizisten. Bis Mitte 2002 sind fast alle der 50.000 Flüchtlinge wieder zurückgekehrt. Das Land steht noch immer vor der großen Herausforderung des Aufbaus der Infrastruktur und der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung. Ein Mobilfunkunternehmen hat bereits ein GSM-Netz aufgebaut.

Ein vielversprechendes Projekt könnte die Nutzung von Erdgas und Erdöl sein. In der indonesischen Besatzungszeit wurde ein Ölfeld in der Timorsee zwischen Timor und Australien entdeckt und am 11. Dezember 1989 ein Vertrag zwischen den Regierungen Indonesiens und Australiens geschlossen. Aber erst im Mai 2004 hat die australische Regierung die Gültigkeit des Vertrages in einer Form bestätigt, die die Seegrenze, und damit auch die Rohstoffe, zu Gunsten Australiens verschoben hat. [1]

Lange Tradition hat der Kaffee als Exportgut. Gerade im Hochland wächst ein besonders aromatischer und milder Kaffee. Außerdem ist Osttimor für seine farbenfrohen gewebten Stoffe in der Region berühmt.

Transport und Verkehr

Der Flughafen von Dili wird international von Passagiermaschinen angeflogen. Die Air North fliegt die Strecke von Darwin (Australien) nach Dili und zurück täglich in zwei Stunden. Viermal die Woche fliegt die Merpati von Denpasar auf Bali (Indonesien).

Der Grenzübergang Batugede zum indonesischen Westtimor hin ist geöffnet, aber es gibt keinen regelmäßigen Busverkehr. Auch bei Oesilo in Oecussi-Ambeno gibt es einen offenen Grenzübergang nach Westtimor.

Eine Fährgesellschaft hat inzwischen, mit deutscher finanzieller Unterstützung, eine wöchentliche Verbindung zu der Enklave Oecussi-Ambeno hergestellt.

Wer, wie die meisten Timoresen, nicht über einen allradbetriebenen Wagen verfügt, ist bei Reisen über Land auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, die es in zwei Formen gibt.

Der Biskota ist ein größerer Bus, der die Hauptortschaften, wie Lospalos oder Baucau mit Dili verbinden. Sie fahren auf den zumeist noch asphaltierten Straßen. Um zu kleineren Orten zu gelangen muss man auf Kleinbusse, sogenannte Mikroléts umsteigen. Egal aber welchen Bustyp man nimmt, sie sind durchweg überfüllt mit Menschen und Handelsware. Auch die Straßenverhältnisse erleichtern nicht das Reisen. In der Regenzeit sind viele der Wege nur noch Schlammpisten und gar nicht mehr befahrbar.

In einigen Regionen sind kleine Pferde noch ein alltägliches Transportmittel, so etwa bei Maubisse.